Wohnraumlüftung und Feuchterückgewinnung · Veröffentlicht am 07.10.2026

Lüftungsanlage: Warum ist die Luft im Winter trocken?

Trockene Raumluft im Winter kann durch den Austausch mit kalter Außenluft entstehen und beweist keinen Defekt der Lüftungsanlage. Prüfen Sie Temperatur und Luftfeuchte gemeinsam; bedarfsgerechte Luftmengen und ein passender Enthalpietauscher sind mögliche fachliche Ansatzpunkte.

Luftwechsel verstehen

Frische Luft hinein.
Verbrauchte Luft hinaus.

Eine kontrollierte Wohnraumlüftung führt Luft gezielt durch das Haus. Der Wärmeübertrager nutzt Energie aus der Abluft; die beiden Luftwege bleiben getrennt.

Wohnraumlüftung FunktionsprinzipAußen- / ZuluftAbluftFortluft
Außenluft durchströmt den Wärmeübertrager und wird als Zuluft in Wohnräume geführt. Überströmung verbindet Wohn- und Feuchträume. Abluft gibt im getrennten Kanal Wärme ab und verlässt das Haus als Fortluft.WOHNENBAD / KÜCHEDRAUSSEN1234

Wärme wird zurückgewonnen. Die Luftströme werden nicht vermischt.

01Außenluft aufnehmen

Frische Außenluft gelangt gefiltert in das Lüftungsgerät. Im Wärmeübertrager wird im Winter Wärme aus der Abluft übertragen.

02Wohnräume versorgen

Die Zuluft erreicht Wohn- und Schlafräume. Geeignete Überströmwege führen die Luft weiter zu den Ablufträumen.

03Feuchte Luft abführen

Aus Bad und Küche wird Abluft abgesaugt und zum Gerät zurückgeführt. Die Luftmenge richtet sich nach dem Lüftungskonzept.

04Energie nutzen

Die Abluft gibt im getrennten Wärmeübertrager Energie ab und verlässt das Haus als Fortluft. Filter, Schall und Wartungszugang gehören zur Planung.

Prinzip einer zentralen Lüftung mit getrennten Kanälen. Sommerbypass, Filter und Ventilatoren sind in der Illustration vereinfacht.

Die relative Luftfeuchte hängt von der Temperatur ab

Eine hohe Feuchteanzeige draußen bedeutet im Winter nicht, dass die zugeführte Luft viel Wasser enthält. Das Umweltbundesamt unterscheidet absolute und relative Luftfeuchte. Die absolute Angabe bezeichnet Wasserdampf pro Luftvolumen. Die relative Angabe beschreibt den Anteil an der möglichen Sättigung bei der jeweiligen Temperatur. Wird kalte Außenluft im Zimmer erwärmt, sinkt ihre relative Feuchte.

Als Beispielwert nennt das UBA ungefähr 5 Gramm Wasserdampf je Kubikmeter als Höchstmenge bei 0 Grad Celsius. Bei 22 Grad Celsius liegt der Vergleichswert dagegen bei etwa 20 Gramm. Bei 22 Grad Celsius und 50 Prozent relativer Feuchte sind ungefähr 10 Gramm enthalten. Diese Werte veranschaulichen den Temperatureffekt; sie sind keine Sollwerte für Ihre Lüftung. Die Behörde beschreibt außerdem, dass Atmen, Pflanzen und alltägliche Feuchtequellen wie Duschen und Kochen den Feuchtegehalt im Raum wieder erhöhen können.

Wärmerückgewinnung und Feuchterückgewinnung unterscheiden

Ein Enthalpietauscher gewinnt neben Wärme auch Feuchte zurück. Zehnder beschreibt ihn als Möglichkeit, trockene Raumluft im Winter zu vermindern. Für den ComfoAir Q 350TR mit Enthalpietauscher nennt die aktuelle Produktinformation bis zu 86 Prozent Wärmerückgewinnung. Die Feuchterückgewinnung beträgt bei diesem Modell laut Hersteller bis zu 73 Prozent. Das sind gerätespezifische Höchstwerte, keine garantierte Feuchteanzeige in jedem Wohnzimmer.

Auf derselben Seite bietet Zehnder eine Nachrüstung als Variante an. Der Enthalpietauscher ist dort als direkt austauschbar gegen einen Zehnder-Standardwärmetauscher beschrieben. Eine grundsätzlich vorhandene Wärmerückgewinnung bedeutet deshalb nicht automatisch, dass Ihr Gerät bereits Feuchte zurückgewinnt. Lassen Sie anhand des Modells und der Unterlagen prüfen, welcher Tauscher eingebaut ist und welche Erweiterung tatsächlich passt. Der genannte Wert darf nicht auf einen fremden Lüftungstyp übertragen werden.

Die Lüftung nicht als ersten Versuch ganz abschalten

Zehnder empfiehlt im Beitrag zur Hygiene, das Komfortlüftungssystem in Betrieb zu halten. Die Durchströmung dient dort der Hygiene und führt Feuchtigkeit sowie Schadstoffe aus dem Gebäude ab. Statt eines vollständigen Abschaltens nennt der Hersteller eine bedarfsgerechte Luftmenge. Als Bedienwege sind ein Zeitprogramm und die manuelle Wahl der Lüftungsstufe vorgesehen.

Die Quelle erlaubt bei längerer Abwesenheit grundsätzlich die niedrigste Stufe. Daraus folgt keine Empfehlung, ein bewohntes Haus im Winter dauerhaft auf Abwesenheitsbetrieb zu stellen. Nutzung und Anlagenanleitung müssen zur gewählten Stufe passen. Verdrehen Sie nicht einzelne Luftventile, um gefühlt weniger trockene Luft zu bekommen: Die Einstellung der Luftverteilung sollte im Rahmen einer fachlichen Prüfung erhalten oder gezielt neu abgeglichen werden.

Messwerte einordnen, statt sofort Wasser zuzugeben

Lesen Sie mit einem vorhandenen Hygrometer Luftfeuchte und Raumtemperatur zusammen ab. Vergleichen Sie normale Nutzungssituationen, etwa vor und nach dem Duschen oder während einer kalten Wetterphase. Ein einzelner Prozentwert beschreibt zunächst nur einen momentanen Zustand. Temperatur und Zeitpunkt helfen, eine ungewöhnliche Entwicklung einzuordnen. Aus dem subjektiven Eindruck trockener Luft lässt sich keine erforderliche Luftmenge berechnen.

Bei wiederholt auffälligen Werten sollte der Fachbetrieb das eingestellte Zeitprogramm, die Luftmengen und die vorhandene Feuchterückgewinnung beurteilen. Zehnder beschreibt seinen Enthalpietauscher als mit Wasser abwaschbar; das ist eine Pflegeangabe für das dafür ausgelegte Bauteil. Es bedeutet nicht, dass Wasser in Luftkanäle oder andere Geräteteile gegeben werden darf. Bevor Sie ein beliebiges Zubehör kaufen, klären Sie die Ursache und die zulässige Ausrüstung des eigenen Systems.

Den Winterbetrieb passend prüfen lassen

Für die Anfrage über Klimatechnik nennen Sie Lüftungsmodell, gewählte Betriebsstufe und einige zusammengehörige Temperatur- und Feuchtewerte. Erwähnen Sie, ob eine Feuchterückgewinnung bekannt ist. Damit kann die Prüfung am Betrieb und am passenden Gerät beginnen.

Weiterführende Ratgeber

Offizielle Quellen

Projektstart

Luftfeuchte und Lüftungsbetrieb gemeinsam prüfen

Schildern Sie die winterliche Auffälligkeit mit Betriebsstufe, Raumtemperatur und gemessener Luftfeuchte.